Für ein schöneres Neu-Isenburg – Teil 1

Ich plakatiere während des Wahlkampfes zur Kommunalwahl 2026 mit dem Slogan „Für ein schöneres Neu-Isenburg“. Doch was genau stelle ich mir unter einem schöneren Neu-Isenburg vor?

Dies möchte ich Euch hier, immer Freitags – bis zur Kommunalwahl, darlegen. Neben dem Thema „Stadtbild“ werde ich u.a. etwas zur Verkehrs- und Stadtplanung und zur Hugenottenhalle schreiben. Beginnen wir mit dem Thema Stadtbild:

Wenn man von Frankfurt am Main nach Neu-Isenburg möchte, legt man diesen Weg entweder mit dem ÖPNV (Straßenbahn Linie 17) oder dem Auto, ggf. auch mit dem Fahrrad zurück, auf jeden Fall nähert man sich von Norden kommend durch den wundervollen Stadtwald. Der erste Kontakt mit unserer Stadt ist dann, im Geiste gerade dem Stadtwald entschlüpft, die Frankfurter Straße: Hallo Neu-Isenburg – da bin ich.

Das Isenburger Stadtgebiet beginnt in Wirklichkeit ein paar Meter hinter der Haltestelle der Straßenbahnlinie 17, in Höhe der Esso-Tankstelle (links) und der Friedensallee (rechts). Was wird einen Besucher oder Einwohner beim Eintritt in unsere Hugenottenstadt erwarten? Er wird sich willkommen fühlen wollen und sich freuen – nach so viel Natur – auf seinem Weg gen Süden ein attraktives Einzelhandels-, Gastronomie- und Gewerbeangebot in ansprechender Optik zu erleben.

Ob das gelingt? Eine eigenständig durchgeführte Analyse auf der Strecke bis zur Friedhofstraße lässt jedenfalls keine durchgehende Freude aufkommen. Einzelne Highlights, wie z.B. die Buchhandlung 78, ein traditionelles Kurzwarengeschäft, ein bis zwei hübsche Cafés und Restaurants erfreuen Auge, Magen und Geist. In Summe ist das Angebot allerdings sowohl lückenhaft wie auch sehr einseitig.

Um den ersten, na sagen wir mal bescheidenen, Eindruck mit Zahlen zu untermauern, rief meine Frau zum Sonntagsspaziergang. Das festgehaltene Ergebnis: Auf einer Länge von rund 900 Metern bietet sich in stolzen 11 Barbershops die Möglichkeit, sich seine Haare stylen zu lassen. Zusätzlich kann man (oder natürlich auch Frau 😉) zwischen 9 verschiedenen Beautyläden wählen. Frisch frisiert, mit reiner Haut und sauberen Nägeln besteht im Anschluss die Möglichkeit, bei 5 Wettbüros hintereinander sein Geld zu verprassen und vor lauter Frust über den Verlust seinen Hunger bei 3 verschiedenen Dönerläden zu stillen, während man beim Preisvergleich zwischen den 3 Handyläden seine Pakete bei einem der 3 „Späties“ (ein Berliner Pseudonym für Spätverkaufsstellen) sucht und hoffentlich findet.

Nun ja – einladend ist das jedenfalls nur bedingt, zumindest nicht für Jedermann, was sich denn auch im Publikum widerspiegelt. So ist zu beobachten, dass sich die Mehrheit der Menschen auf der Frankfurter Straße nur so lange aufhält, wie es funktional eben unbedingt sein muss.

Schade, denn es könnte ja auch anders sein. Die Stadtoberen haben dies zwar schon vor vielen Jahren selbst erkannt; bis auf mehrere Studien und eine irre teure und dennoch hässliche Passagenbegrünung am Durchgang zwischen dem Bäcker Eifler und dem Stadt-Rewe ist jedoch nichts Sichtbares passiert.

Angeblich sind die Autos schuld, weshalb seit einiger Zeit 30 km/h gelten. Wirklich schöner wird es davon aber nicht. Besser wäre zum Beispiel eine Einbahnstraßenregelung, die räumliche Möglichkeiten schaffen würde, echte öffentliche Gestaltung in Form von Sitzgelegenheiten, Bäumen, duftenden Büschen und Blumentöpfen und einer echten Außengastronomie umzusetzen.

Oder liegt es doch an den Menschen selbst – gibt es zu wenige, die den Mut aufbringen, ein lebendiges Geschäft zu eröffnen? Im Gespräch erfährt man, dass es tatsächlich die Rahmenbedingungen sind, die Menschen, die „rechnen können“, davon abhalten, das Risiko einer Geschäftseröffnung auf sich zu nehmen. Ein Zeugnis dafür sind die 20 (!!!) leerstehenden Geschäftsräume allein auf der Frankfurter Straße bis zur Kreuzung Carl-Ulrich-Straße/ Friedhofstraße. Wenn der Cappuccino, der an einem Stand auf dem Markt am Samstag 2,80 EUR kostet, in einem gemütlichen Kaffee stolze 4,80 EUR kosten müsste, damit es sich für den Unternehmer rechnet, verstehe ich die Unternehmer, die lieber „im Freien“ stehen bleiben.

Aber genau hier muss die Stadtpolitik ansetzen, um für Unternehmer die richtigen Anreize zu schaffen – bei gleichzeitigem Blick auf Vielfältigkeit und Ausgewogenheit des Angebotes für die Bürger. Das kann und muss durch Vereinfachungen bei der Bürokratie, durch Quoten bei den Geschäftstypen, aber auch durch die Umsetzung eines Plans, den die Stadt in Form einer Stadt-Vision gemeinsam mit den Bürgern entwickelt, geschehen.

Diese Vision fehlt – leider – in der Stadtpolitik. Und so passiert, was immer passiert, wenn man keinen Plan hat … nichts Vernünftiges im Ganzen, sondern ambitioniertes Stückwerk ohne Sinn!
Was in der städtischen Politik vor allem fehlt, ist der Mut! Wie oft habe ich gehört: „Eine Quote zur Zusammensetzung der Geschäfte darf die Stadt nicht vorgeben“ oder „Eine Unterstützung von Eigentümern bei der Ladenvermietung, oder von Unternehmern bei der Geschäftseröffnung, wenn Sie im Sinne der Stadt das Angebot facettenreicher werden lässt, darf die Stadt nicht“ usw.

So so … und wer hindert die Stadt Neu-Isenburg bzw. Ihre Stadtverordneten daran, genau diese Hinderungsgründe zu ändern? Wir reden ja hier nicht über Naturgesetze, sondern über menschengemachte Vorgaben und Richtlinien. Diese können von Menschen, wenn Sie nur wollen, auch wieder geändert werden! Man muss es eben nur WOLLEN … denn: Wer nicht kämpft, hat schon verloren. Schade nur, dass die Verlierer die Bürger und Besucher Neu-Isenburgs sind.

Deswegen – am 15. März die Liste der FDP wählen … um Neu-Isenburg schöner zu machen … übrigens, auf Platz 9 tummelt sich ein ganz besonders mutiger Mitbürger. 😉

20.02.2026

Ulf Kasimir

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