Das Versagen der Eliten

Mehrspurige Autobahn mit vorbeifahrenden Autos und einem runden Verkehrsschild mit Tempolimit 120 km/h am rechten Bildrand

Ich fahre wirklich gerne Auto. Für manche mag es nur ein Vehikel sein, um irgendwie von A nach B zu kommen. Für mich ist es die Erweiterung meines Wohnzimmers zuzüglich öffentlichem Erlebnisfaktor. Wohnzimmer? Ja, allein schon deswegen, weil der zwar stramme, aber dennoch gemütlich umklammernde Ledersitz mir bei Bedarf den Rücken und das Gesäß mit Wärme verwöhnt, während parallel die rauschende Lüftung den Innenraum auf Wunschtemperatur hält. Dazu der hervorragende Klang der Soundanlage, nur matt übertönt vom Motorengeräusch, der im Supersportmodus sprungbereit vor sich hin blubbert. Und schon gleite ich entspannt durch Stadt und Land – was will man mehr?

Wenn da nicht dieses bekloppte, gar nicht mal so dezente, „Ping“ Geräusch wäre. Es erklingt, extrem zuverlässig, kurz bevor die sagenhafte Geschwindigkeit von 120 km/h erreicht wird.

Mein Mann hat bereits sämtliche Herstellerhinweise, sowie gefühlt auch jegliche Forenbeträge recherchiert, jedes Fahrzeugmenü durchgeblättert und unzählige Tastenkombinationen an Lenkrad & Co. Ausprobiert: es hilft aber alles nichts. Das „Ping“ lässt sich dauerhaft nicht abschalten.

Vermutlich will es mich darauf hinweisen, dass ich gleich 120 km/h schnell fahren werde. Nun ja, das weiß ich. Und ich strebe diese Geschwindigkeit sehr bewusst an. Also in voller Absicht. So wie schon immer in den letzten über 3 Jahrzehnten meiner Teilnahme am deutschen und internationalen Straßenverkehr. Wenn es die Verhältnisse zulassen und ich Lust darauf habe, rausche ich auch deutlich schneller durch´s Land. Dazu einen Podcast oder schöne Musik im Ohr, die Hand auf dem Oberschenkel meines Mannes, herrlich. Leider kommt auf deutschen Autobahnen alsbald entweder jemand, der das mit den linken Fahrspuren nicht verstanden hat, eine Baustelle oder ein Schild auf dem 100 oder 80 km/h als Geschwindigkeit vorgegeben sind. Fällt man dann nur kurz unter 120 km/h, ist es beim anschließenden Beschleunigen wieder da, dieses „Ping“. Auf längeren Strecken kommt man leicht auf eine hohe zweistellige „Ping“ Zahl. Was soll dieser Mist? Die heutige Netzrecherche hat das Geheimnis, zum Teil, gelüftet: Es ist eine Vorgabe der EU; also gesetzlich vorgeschrieben. Vermutlich in der Absicht, dass es Autofahrer irgendwie dazu motiviert langsamer zu fahren. So nach dem Motto „Huch, echt schon 120 km/h? Das hab ich ja gar nicht gemerkt, Danke für den Tipp.“ Nein, mich motiviert es nicht. Ganz im Gegenteil. Ich bekomme davon schlechte Laune und frage mich ernsthaft, wessen Geistes Kinder da in Brüssel sitzen und glauben, dass erwachsene, selbstbewusste Menschen wie ein Pawlowscher Hund reagieren?. Was aber noch schlimmer ist. Die (deutschen) Autohersteller machen das alles mit. Was bitte sollen das für gesellschaftliche Eliten sein, die nicht in der Lage sind Ihre (Premium-) Kunden vor einer derartigen Bevormundung zu schützen? Wie wär´s denn mal damit nicht nur von Deregulierung zu reden, sondern diese auch selbst zu leben? Und zwar schlicht und ergreifend, indem man dieses Spiel nicht mitmacht? Meine Herren; wer nicht kämpft, hat schon verloren.

26.01.2026

Susann Guber

Allgemein

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